judge.me- justizia

judge.me – ein Online- Schiedsgericht

Wer steht hinter judge.me

Der Gründer von judge.me ist Peter-Jan Celis. Laut Linkedin machte er seinen Bachelor in Ökonomie von der Katholieke Universiteit Leuven 2006. Seine Arbeitsstationen bis zur Gründung von judge.me im Nov. 2011  beschränkten sich ebenfalls auf betriebswirtschaftliche Fachbereiche. Sein juristischen Background eignete er sich nach eigenen Angaben autodidaktisch an.

Was kann man von dem Schiedsgerichts- Portal judge.me erwarten

Auch wenn es Peter-Jan Celis gelingt, einen gewissen Hype (vgl. Liberian Standard, Entrepreneur Stories, International Arbitration oder Techli) zu erzeugen, neu ist die Idee nicht. Mittlerweile hat auch der Gründer erkannt (vgl. „Entrepreneurstories“ Absatz „How to reach the market“), dass seine Idee an dem selben Mangel krankt, welche schon alle anderen vor Ihm haben scheitern lassen.

Positiv ist grds. der Fixpreis von $ 299,- (entspricht € 235,-). Hierin sind allerdings nur die Gerichtskosten enthalten. Bis zu einem Streitwert von ca. 2.500,- € würde ein deutsches Gericht günstiger arbeiten. Das Verfahren ist daher für die meisten typischen B2C- Streitigkeiten zu teuer. Im B2B- Bereich ist ein solcher Fixpreis günstig, doch wird dies alleine für einen erfolgreichen Markteintritt nicht reichen.

Ein weiteres großes Handicap für dieses Projekt ist, dass man sich idR. während man schon miteinander im Streit liegt, auf das Schiedsgericht judge.me einigen muss. Es ist nicht fernliegend, dass sich die eine oder andere Partei unsicher ist, ob sie mit Zustimmung zu diesem Verfahren gegenüber dem Streitgegner an juristischem Terrain verliert.

Die von judge.me gerühmte Vielfalt aller Jurisdiktionen ist ebenfalls kein wirklicher Vorteil. Wer kann diese oder würde diese nutzen. In nationalen Beziehungen wird wohl nach wie vor das nationale Recht angewendet werden, in internationalen Beziehungen wäre gerade eine vereinheitlichte Gesetzeslage hilfreich.

Auch die in der Werbung von juge.me hervorgehobene Suggestion, wenige Regeln bedeuteten ein einfaches Rechtssystem, kann ich nicht nachvollziehen. Wenige Regeln bedeuten, dass die ungeregelten Sachverhalte nunmehr durch den Richter durch Auslegung oder Ermessen entschieden werden. Nicht nur, dass es jetzt vielmehr auf die Qualität des einzelnen Richters ankommt, die Entscheidung insgesamt wird auch für die Parteien weniger vorhersehbar.

Positiv an diesem Projekt ist jedoch, dass es sich bemüht, das ein Rechtssystem auf neuen Technologien zu etablieren. Dies ist zur Zeit zwar erst im „Beta-Stadium“ vorhanden, aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung.

Fazit: Das Projekt leidet noch an deutlichen Kinderkrankheiten. Mit nur 3 Fällen pro Monat fehlt die Akzeptanz wohl auch bei den Kunden noch. Teilweise scheint dem Gründer – was aufgrund seines Alters und Ausbildung nicht verwunderlich ist – Erfahrung im juristischen Alltages zu fehlen. Auch wenn seine Idee grundsätzlich gut ist, sind die bestehenden wirklichen Schwachstellen der bisherigen Prozessverfahren durch judge.me nicht verbessert. Vollkommen unberücksichtigt bleibt der Faktor „Mensch“ und wie er in einer solchen Situation „tickt“. Hier wirkt sich wohl der nicht ausreichende juristische Background des Gründers aus. Der Schwerpunkt erfolgt zu einseitig auf der technischen Seite. Die entscheidende juristische Seite ist nur rudimentär entwickelt. Darüber hinaus, wie der Gründer auch selbst eingesteht, ist auch die technische Seite noch nicht wirklich weit entwickelt (der gesamte Beitrag auf anarco-capitalism).

Dennoch denke ich, man sollte diesem System eine Chance geben. Denn judge.me bereichert aber auf jeden Fall unsere juristische Landschaft. Darüber hinaus haben sich mittlerweile schon einige Juristen verpflichtet, für dieses Portal zu arbeiten. Hieraus könnte positives Feedback für das Projekt entstehen und sein Entwicklungspotential genutzt werden.

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